Kiezberichte Teil 3
X-Berg aus Sicht eines Neu-61ers: Schon immer hat Berlin-Kreuzberg die Menschen polarisiert, entweder man liebt es oder man macht einen großen Bogen drum herum. Insbesondere nach dem Mauerfall hat dieser zentrumsnahe Bezirk deutlich an Attraktivität gewonnen. Durch die Wiedervereinigung plötzlich dicht an die Wiege Berlins im Bezirk Mitte herangerückt und nach der Bezirksreform mit dem rasant beliebten Friedrichshain verbrüdert, hat der Bezirk einen enormen Imagewandel vollzogen.
Die ausgeprägte großstädtische Infrastruktur mit hervorragender Anbindung an das öffentliche Verkehrssystem (zahlreiche U-, S- und Busverbindungen) sowie das dichte Netz an Freizeit-, Kultur- und Bildungseinrichtungen erfüllen bestens familienfreundliche Ansprüche. Trotzdem hat sich in einigen Gegenden noch immer eine gegensätzliche Vielfalt erhalten. Diese zieht viele Menschen in den Bann und erzeugt eine ganz besondere Mischung unterschiedlichster Lebensweisen in äußerst kontrastreichen Wohnkiezen. Hier liegt vieles nah beisammen, obwohl eigentlich so weit voneinander entfernt.
Gegensätze ziehen sich an
Zum einen gibt es die herausgeputzten Prachtaltbauten des mittlerweile fast schon zu sehr touristisch erschlossenen Bergmann-Kiezes und den fast unbezahlbaren Wohnstreifen entlang des idyllischen Landwehrkanals, z. B. rund um das beliebte Paul-Linke-Ufer.
Zum anderen, nur einen Steinwurf von dort entfernt (was am 1. Mai leider noch immer vereinzelt sprichwörtlich zu nehmen ist) liegt einer von Berlins größten sozialen Brennpunkten, die berüchtigte Gegend rund um den „Kotti“ mit seinen tristen Betonwohnbunkern. Kaum an einer anderen Stelle wird das Miet- und Kaufpreisgefälle von dicht beieinander liegenden Mikrolagen so deutlich wie hier. Aber, die hiesigen Bewohner, ob arm, ob reich, scheren sich einen feuchten Kehricht um die panische Außendarstellung, oft gespickt mit Horrorszenarien. Offen, tolerant und multi-kulturell lautet die Parole und für viele Berliner, auch aus der Kreativszene, sowie zahlreiche zuziehende Nichtberliner macht dieses reizvolle Gemisch den Unterschied.
Einst gefürchtete Wohnviertel, oft im Dead-End direkt an der innerstädtischen Mauer gelegen, wie z.B. die Gegend rund um das Schlesische Tor oder den Görlitzer Park, sind mittlerweile als hochpreisige Wohnlagen mit enormem Unterhaltungsreichtum etabliert. Insbesondere an den Wochenenden tingelt ein riesiges Partyvolk von Berlinern und Zugereisten durch die unzähligen Clubs, Bars und Restaurants dieser Viertel. Dort wird der einst beliebte Gassenhauer aus den 70ern, „Kreuzberger Nächte sind lang“, bis in den Morgengrauen exzessiv praktiziert und in so mancher Nacht wird „Schwarz zu Blau“, was vor einiger Zeit Peter Fox in seiner Ode an Kreuzberg besang.
Multi-Kulti-Schlemmerküche
Zurück zum Bergmannkiez und seinen schönen Seitenstraßen, der schon recht lange als gesettelter Wohnraum zählt, wobei insbesondere die Bergmannstraße selbst ein unbestritten äußerst atmosphärisches Straßentreiben bietet. Das gastronomische Angebot ist riesig und facettenreich. Kulinarische Köstlichkeiten aller Kontinente werden in zahlreichen Lokalen auf ansprechende Art und Weise angeboten. In jedem Reiseführer findet dies mittlerweile Erwähnung, was dem internationalen Sprachgewirr im Straßengeflecht des Kiezes deutlich zu entnehmen ist. Trotzdem ist die Lebensstimmung anders als in den nach dem Mauerfall aus dem Boden gestampften Szenevierteln des östlichen Berlins. Irgendwie unaufgeregter und weniger prätentiös.
Immer wieder eine Augenweide ist eines der größten in Berlin unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble rund um den Chamissoplatz. Glanz und Gloria – ein prachtvolles Ambiente der Gründerzeit, ein Muss für jeden Berlin-Besucher. Unzählige Straßenzüge mit vom Krieg verschonter und aufwändig sanierter Altbausubstanz dienen als Zeitzeuge längst vergangener Tage und deshalb oftmals auch als authentische Filmkulisse.
Sicherlich eines der beliebtesten Fotomotive Kreuzbergs
Von diesem architektonischen Highlight nur wenige Schritte entfernt befindet sich der Namensgeber des Bezirkes, der Kreuzberg. Mit 66 m ist er einer der höchsten natürlichen Erhebungen Berlins. Das schöne Fleckchen ist nicht nur auf dem Gipfel ein Erlebnis.
Am höchsten Punkt wacht das imposante Ehrenmal der napoleonischen Befreiungskriege über die gesamte Parkanlage. Hier können Sie einen fantastischen Panoramablick über Berlin sowie faszinierende Sonnenuntergänge genießen. Beeindruckend ist die pittoreske Atmosphäre, die durch das geschwungene Wegelabyrinth inmitten dichter, artenreicher Flora entlang von Liegewiesen und unzähligen, dahin plätschernden Wasserläufen entsteht. Der Hauptanziehungspunkt bleibt aber vor allem der legendäre Wasserfall, der sich, vom Gipfel aus gesehen, gemächlich seinen Weg talwärts in Richtung Großbeerenstraße sucht.
Wie durch einen verwunschenen Märchenwald schlängeln sich Bachläufe und Rinnsale, von kleinen Brücken überspannt, zum Fuße des Kreuzberges, wo sie vereint im Teiche an Neptuns Bronzestatur münden. Weitere Vorzüge des Areals sind der ansprechend hergerichtete Spielplatz und die große Liegewiese am schwarzen Kreuz, welches den Opfern des Volksaufstandes des 17.Juni gedenkt. Der alteingesessene Biergarten Golgatha und die liebvoll restaurierte, nun gastronomisch genutzte Villa Kreuzberg mit angeschlossenem Tiergehege runden das attraktive Gesamtprofil der besonderen Parkanlage für Jung und Alt ab.
Seit 2011 glänzt Kreuzberg mit einer weiteren Attraktion in Sachen Freizeit-, Sport und Naherholungsmöglichkeiten. Auf dem riesigen Areal der Brachfläche des ehemaligen Eisenbahngeländes Gleisdreieck wurde unter Bürgerbeteiligung ein in dieser Art einzigartiges Parkkonzept realisiert. Die bis dato für die Öffentlichkeit unzugängliche Fläche mitten in der Stadt wurde erfolgreich und äußerst ansprechend in den Stadtraum integriert. Die angrenzenden Wohnquartiere profitieren in hohem Maße von dem neugeschaffenen Freizeitpotential mit der gelungenen Mischung an Bewegung, Sport und Spiel sowie Ruhe, Entspannung und Naturgenuss.
Ich bin sehr glücklich, hier zu wohnen, mich mittlerweile auch schon ein wenig als ein 61er (frühere Postleitzahl) zu fühlen und genieße die bunte und familienfreundliche Grundstimmung und den abwechslungsreichen Lebenskomfort des Kiezes. Und das alles nur wenige Schritte vom Wasserfall entfernt…
Kay Engelmann
Service und Verkauf
TOP-Immobilien GmbH